Martin Liebscher ist ein Mann der Tat. Der Künstler in mittleren Jahren betrachtet sich selbst schmunzelnd, mit einem dicken Bauch und einer Halbglatze ausgestattet, versucht er sich immer wieder an neuen Ideen mit der Digitalfotografie. Angefangen hat alles 1993. Damals schoss Liebscher drei Fotos von sich selbst in unterschiedlichen Posen. Diese setzte er mit Hilfe von Software in eine Zimmeransicht ein und entwickelte damit eine Einladungskarte.
Schnell aber merkte er, dass ihm das Posieren liegt, er begann sich in den verschiedensten Posen abzulichten und mittlerweile sind mehr als 3.500 Fotos seiner selbst entstanden. Unter anderem sorgt er für eine voll besetzte Berliner Volksbühne. Hierfür setzt er sich im Sekundentakt von einem Stuhl auf den anderen, während sein Assistent die Bilder schießt. Das Ganze ähnelte seinen Aussagen nach 700 Kniebeugen im Akkord.
Auch die Berliner Philharmonie wurde von Liebscher schon bevölkert, er spielt alle Instrumente, dirigiert sich selbst, kommt zu spät in den Saal oder verlässt ihn plötzlich. Doch aus jedem dieser Bilder muss der Mann selbst ausgeschnitten und aufwändig zu einem Gruppenbild zusammengestellt werden. Diese Kleinarbeit ist das Schwierigste bei der Umsetzung seiner Ideen und dafür hat er mittlerweile zwei Studenten engagiert.
Als Professor arbeitet er auch an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung, wo er seine Studenten um Mithilfe bei der Fleißarbeit bittet. Erst kürzlich war er in Italien unterwegs, wo er sowohl die Mailänder Scala, als auch den Markusplatz in Venedig mit sich selbst bevölkert hat. Dabei kamen mit seinen Fotos schon einige Rekorde zusammen:
Das Bild der Philharmonie ringt es alleine auf eine Größe von 1,20 x 4,55 Meter. Im Guinessbuch der Rekorde wurde auch das „längste Gruppenbild der Welt mit einer Person” verewigt, es maß stolze 37 Meter und wand sich 1995 durch das Treppenhaus einer Ausstellung am Römerberg. Sein neuestes Fotobuch „Einer für alle” ist aufgeschlagen ebenso mit einer Spannweite von mehr als einem Meter ausgestattet und damit eines der größten seiner Art.
